Streckdefizit nach Knie‑TEP: Ursachen & Therapie
Stefan Stich
aktualisiert: 11.02.2026
5 Min. Lesezeit
Was versteht man unter einem Streckdefizit nach einer Knie-TEP?
Welche Symptome treten bei einem Streckdefizit nach einer Knie-TEP auf?
Ein Streckdefizit nach einer Knie-TEP äußert sich durch verschiedene funktionelle Beschwerden, die sich im Alltag deutlich bemerkbar machen können. Die Ausprägung der Symptome variiert je nach Schwere des Defizits und individuellem Heilungsverlauf.
- Unvollständige Kniestreckung: Das Bein lässt sich nicht vollständig gerade durchstrecken, auch bei Anstrengung nicht.
- Bewegungseinschränkung im Alltag: Probleme beim Gehen, Stehen, Aufstehen oder Treppensteigen.
- Verändertes Gangbild: Leicht gebeugtes Knie beim Gehen („Flexed-Knee-Gait“), oft mit Ausweichbewegungen.
- Schmerzen oder Spannungsgefühl: Insbesondere bei längerer Belastung oder beim Versuch, das Knie zu strecken.
- Instabilitätsgefühl: Unsicherheit beim Auftreten oder plötzliche Nachgiebigkeit des Beins.
- Muskuläre Beschwerden: Überlastung der Oberschenkelmuskulatur oder Rückenschmerzen durch Fehlhaltung.
- Schwellungen oder Verhärtungen: Hinweise auf entzündliche Prozesse oder Narbenbildung im Gelenkbereich.
Was sind die Ursachen für ein Streckdefizit nach Knie-TEP?
Frühfunktionelle Ursachen nach der Operation
Muskuläre und neuromuskuläre Ursachen
Narbenbedingte Einschränkungen und Verklebungen
Arthrofibrose
Eine der bedeutendsten Ursachen für ein dauerhaftes Streckdefizit nach Knie-TEP ist die Arthrofibrose. Darunter versteht man eine überschießende Narbenbildung innerhalb des Kniegelenks, bei der vermehrt Bindegewebe entsteht und die Gelenkstrukturen zunehmend verkleben. Infolge dieser Vernarbung wird die Beweglichkeit des Knies mechanisch blockiert, sodass eine vollständige Streckung nicht mehr möglich ist.
Arthrofibrose entwickelt sich meist in den ersten Wochen nach der Operation, kann aber auch verzögert auftreten. Risikofaktoren sind eine genetische Neigung zu übermäßiger Narbenbildung, Infektionen, unzureichende Nachbehandlung oder aggressive Mobilisationsversuche. In schweren Fällen bildet sich die sogenannte Zyklops-Läsion – ein knotenförmiger Narbenherd, der mechanisch das vollständige Strecken blockiert.
Typisch für eine Arthrofibrose ist, dass sowohl die Streck- als auch die Beugefähigkeit eingeschränkt sind und das Knie sich „steif“ oder blockiert anfühlt. Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, da in frühen Stadien konservative Maßnahmen wie gezielte Physiotherapie noch wirksam sein können.
Wie wird ein Streckdefizit nach einer Knie-TEP physiotherapeutisch behandelt
Physiotherapie in den ersten Tagen nach der Operation
In der Frühphase nach der Knie-TEP stehen entzündungshemmende, schmerzlindernde und abschwellende Maßnahmen im Vordergrund, um optimale Voraussetzungen für die Mobilisation nach der Knie-TEP zu schaffen. Hierzu zählen unter anderem:
- Lymphdrainage
- Richtige Lagerung des Beines
- Aktive und passive Bewegungen von Kniegelenk und Kniescheibe
- Kältetherapie
- Gangschule und richtiges Einsetzen von Unterarmgehstützen
- Richtiges Treppensteigen (Tipp: treppauf zuerst das nicht operierte Bein, treppab zuerst das operierte Bein)
Wichtig ist bereits ab dem ersten Tag nach der Operation darauf zu achten, dass die Beweglichkeit, vor allem die Kniestreckung, verbessert wird, da sich in den ersten 1 bis 2 Wochen das Narbengewebe bildet und dieses verkleben kann.
Aufbauphase: Beweglichkeit verbessern und Muskulatur aktivieren
Auf Basis des ärztlichen Behandlungsschemas, arbeiten wir mit Ihnen gemeinsam einen individuellen Therapieplan aus, um funktionelle Defizite auszugleichen und ein verfestigtes Streckdefizit zu vermeiden.
Kernziele in dieser Phase:
- Vollständige Wiederherstellung der Kniestreckung (0 Grad oder mehr)
- Mobilisation und Lösung von Narbengewebe
- Kräftigung des Quadrizepsmuskels zur Verhinderung von Muskelatrophie
- Verbesserung der Beugefähigkeit
- Schmerzreduktion
- Optimierung von Koordination, Gleichgewicht und Stabilität
- Wiederherstellung eines physiologischen Gangbildes

Hausbesuch bei einem neuen Kniegelenk. Macht das Sinn?
Was kann ich bei einem Streckdefizit nach einer Knie-TEP tun?
- Setzen Sie auch nach der Physiotherapie selbstständig die gymnastischen Übungen fort, um eine Versteifung des Gelenks zu verhindern.
- Tragen Sie flache Schuhe mit weichen Sohlen und gegebenenfalls Pufferabsätzen.
- Weisen Sie bei eitrigen Entzündungen (auch an anderen Körperstellen) den Arzt auf die Prothese hin und nehmen Sie verschriebene Antibiotika nach Arztanweisung ein.
- Vermeiden Sie es, das Knie über 90 Grad zu beugen (hinknien).
- Heben oder tragen Sie keine schweren Lasten.
- Meiden Sie schwere körperliche Arbeit.
- Bevorzugen Sie gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen, Gymnastik oder Radfahren.
- Verzichten Sie auf Kontakt- und Risikosportarten wie Fußball, Tennis, Joggen oder Reiten.
Wir sind bei einem Streckdefizit nach Knie-TEP für Sie da
PhysioStich begleitet Sie mit einer breiten Vielfalt an Leistungen rund um die Physiotherapie nach Operationen professionell und individuell auf Ihrem Weg zurück in den Alltag. Wir bieten ein umfassendes physiotherapeutisches Leistungsangebot für Patient:innen mit Knie-TEP wie z. B. Krankengymnastik Hausbesuche und manuelle Therapie zu Hause zur Behandlung von Streckdefiziten, Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Sollten Sie persönlich oder einer Ihrer Angehöriger ein neues Gelenk bekommen haben, so sind wir gerne jederzeit für Sie da.
Wir freuen uns auf Ihren Anruf
FAQs zum Streckdefizit nach einer Knie-TEP
Die Haltbarkeit und Lebensdauer einer Knieprothese hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Körpergewicht des Patienten: Je leichter der Patient ist, umso weniger schnell nutzt sich die Knieprothese ab.
- Aktivitätsniveau: Je mehr Sport, körperliche Arbeit und allgemeine Aktivität auf der Knieprothese lasten, umso höher ist die Gefahr für Abrieb und Lockerung des Implantates. Sportarten mit wenig Kniebelastung wie Radfahren oder Schwimmen sind ideal, um alle Vorteile von Sport ohne die Nachteile der Abnutzung des Implantates zu nutzen.

Stefan Stich, Gründer von PhysioStich
Stefan Stich ist staatlich geprüfter Physiotherapeut und gründete 2019 PhysioStich mit dem Ziel, Physiotherapie dort anzubieten, wo Patienten sie am meisten brauchen: in ihrer vertrauten häuslichen Umgebung.